Übersicht

Übersicht zur Transdisziplinaritätsforschung

Die Entsorgung von hochradioaktiven Abfällen im geologischen Untergrund und die damit verbundene Standortsuche in Deutschland ist ein seit über 50 Jahren anhaltendes Vorhaben. Zu den technischen Herausforderungen des Endlagers kamen zunehmend gesellschaftliche Anforderungen hinzu. Die Standortsuche entwickelte sich somit zu einem Problem, in dem technische als auch gesellschaftliche Fragestellungen betrachtet werden müssen.

Das Standortauswahlgesetz (StandAG) schreibt vor, die Bevölkerung bei der Suche und der Auswahl eines Endlagerstandortes einzubeziehen. Die Weiterentwicklung von Verfahren zur Beteiligung der Öffentlichkeit ist auch über die gesetzlich geregelten Mindestanforderungen hinaus erwünscht (§5 StandAG). Hier setzt das Projekt TRANSENS an. Dieses bietet ein Experimentierfeld auf dem Wissenschaftler*innen und Vertreter*innen aus der Gesellschaft (z.B. Bürger*innen, Personen von Behörden, Verbänden, Nichtregierungsorganisationen) das Entsorgungsproblem gemeinsam untersuchen. Dadurch werden unterschiedliche Perspektiven, Interessen, Erfahrungen und Wissensbestände in die Forschung einbezogen. Ein solcher Forschungsansatz ermöglicht, gemeinsam an einer Lösung des Entsorgungsproblems zu forschen. Ziel ist es, die bestmöglichen Techniken und die gesellschaftlichen Anforderungen (z. B. ein faires Standortsuchverfahren) zu verknüpfen. Damit soll eine robuste Lösung erreicht werden, die den Vorstellungen und Bedenken der Bevölkerung Rechnung trägt. Diese Art der Zusammenarbeit wird als transdisziplinäre Forschung bezeichnet. Diese Forschung erfolgt in den TAP (transdisziplinäre Arbeitspakete, d.h. DIPRO, HAFF, SAFE, TRUST).

Im Gegensatz dazu untersucht die Transdisziplinaritätsforschung diese Zusammenarbeit von Wissenschaft und Gesellschaft auf übergeordneter Ebene. Das heißt, sie untersucht wie (a) transdisziplinäre Forschung funktioniert, (b) welchen Mehrwert diese erzielen kann gegenüber klassischen Forschungsansätzen und (c) welchen Beitrag sie leisten kann zur Lösung des nuklearen Entsorgungsproblems. Außerdem gibt die Transdisziplinaritätsforschung den Wissenschaftler*innen in den TAP Methoden und Werkzeuge an die Hand, um die Zusammenarbeit zu gestalten. Die Erfahrungen werden kontinuierlich gesammelt und mit den Wissenschaftler*innen diskutiert, um Verbesserungen in der Zusammenarbeit vornehmen zu können.

Ziele der Transdisziplinaritätsforschung sind:

  • die Entwicklung von neuem Wissen und Lösungsansätzen zu verfolgen und zu verstehen;
  • den Nutzen der Zusammenarbeit für das Entsorgungsproblem zu bestimmen;
  • Wissenschaftler*innen bei der Zusammenarbeit mit Vertreter*innen aus der Gesellschaft zu unterstützen.

Fragestellungen der Transdisziplinaritätsforschung sind:

  • Welches neue Wissen entsteht durch die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Gesellschaft?
  • Kann das Wissen einen Beitrag zur Lösung des nuklearen Entsorgungsproblems leisten?
  • Welcher Mehrwert entsteht durch diese Zusammenarbeit im Vergleich zur bisherigen rein disziplinären oder interdisziplinären Forschung ohne Vertreter*innen aus der Gesellschaft?
  • Welche Nachteile und Grenzen sind mit der Zusammenarbeit verbunden?
  • Welche Formen der Zusammenarbeit eignen sich (z. B. Art des Workshops, Methoden)?
  • Welche Auswirkungen hat die Zusammenarbeit auf die beteiligten Vertreter*innen der Gesellschaft, die Wissenschaftler*innen und die Forschung?