Tag der offenen Tür in der Bürgermessstelle

Bürgerinnen und Bürger verschaffen sich einen Eindruck von der Bürgermessstelle in Remlingen

Radioaktivität in Umwelt und Alltag stand am Samstag den 26. März im Mittelpunkt des Tags der offenen Tür in der Bürgermessstelle in Remlingen. So wurden mitgebrachte Proben von beispielsweise Weizen, Kastanien oder Holzasche vor Ort auf Radioaktivität untersucht und es wurde gemeinsam mit den anwesenden Wissenschaftlern über eine mögliche Gefährdung für den Menschen durch natürliche und menschengemachte Radioaktivität diskutiert. Daneben hatten Mitarbeiter des Instituts für Radioökologie und Strahlenschutz in Hannover einen Teil der hauseigenen Sammlung von Alltags- und Umweltproben mit natürlicher Radioaktivität aufgebaut und die Besucher konnten sich – ausgestattet mit einem Strahlungsmessgerät - auf die Suche nach möglichen Strahlungsquellen in Ihrem Alltag machen, was zu der einen oder anderen überraschenden Erkenntnis zum Thema Strahlung in der Umwelt führte.

Familie Stadie aus Remlingen ging noch einen Schritt weiter und nahm die Gelegenheit zur Messung von Radioaktivität gleich ganz selbst in die Hand. Mit einem in der Bürgermessstelle ausgeliehenen Strahlungs-Messgerät wurde der eigene Haushalt nach bisher unbekannten Quellen von Radioaktivität durchsucht. Ein wenig überrascht, aber auch stolz präsentierten sie kurze Zeit später einen dekorativen Obstteller in der Messstelle, der unerkannt in einer Flohmarktkiste im Keller gelegen hatte und bei dem das Messgerät deutlich hörbar anschlug. Die prompte Messung des Tellers auf dem Gamma-Detektor in der Bürgermessstelle zeigte: Für die Bemalung der roten Obstsorten in der Glasur wurde Uran-Farbe verwendet. Weitere Nachforschungen ergaben, dass der Teller immerhin stolze 112 Jahre alt war und aus Frankreich stammte. Professor Clemens Walther ist von dem Fund nicht völlig überrascht: „Die Verwendung von Uran in der Keramik- und Glas-Industrie des letzten und ausgehenden 19.ten Jahrhunderts stellt keine Seltenheit dar. Solche und ähnliche Objekte finden sich weltweit in vielen Haushalten.“ In einem anschließenden Gespräch wurde über mögliche Gefahren diskutiert, die von solchen Objekten aus heutiger Sicht des Strahlenschutzes ausgehen. Wichtig war es den Mitarbeitern vom Institut für Radioökologie und Strahlenschutz hier darauf hinzuweisen, dass von dem Teller und ähnlichen Objekten keinerlei akute Gefahr für den Menschen ausgeht, da das giftige Uran und dessen strahlende Zerfallsprodukte sehr fest in der Keramikglasur gebunden sind. Auch die aus dem Teller herauskommende Gamma-Strahlung liegt deutlich unterhalb einer Strahlungsmenge die für den Menschen akut gefährlich werden kann.  „Dennoch“, ergänzt Dr. Wolfgang Schulz, „wird heutzutage aus Vorsorgegründen empfohlen solche Teller nicht mehr im Alltag zu benutzen, da nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, dass mechanische Beschädigungen der Teller, im Zusammenspiel mit Säuren dazu führen können, dass ein kleiner Teil der radioaktiven Stoffe aus den Tellern freigesetzt wird. Bei Sammlern genießen solche Objekte allerdings gerade wegen der verwendeten Uranfarbe mitunter einen hohen Wert.“ Für Familie Stadie kam die Erkenntnis gerade zum rechten Zeitpunkt: Der Teller hat inzwischen einen neuen Besitzer gefunden und wird in Zukunft in einer Vitrine statt in einer Flohmarktkiste zu finden sein. „Wir freuen uns über das hohe wissenschaftliche Interesse an unserem Flohmarktstück!“ berichtet Stefanie Stadie, „Der Tag der offenen Tür hat spannende, unerwartete Ergebnisse hervorgebracht und wir sind definitiv mit einem geschärften Blick für das Thema Strahlung im Alltag nach Hause gegangen.“

Schülerpraktikantin Lynn Gad stellt den gefundenen strahlenden Teller auf den Gamma-Detektor.

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