Info Abend zur Bürgermessstelle

Mitarbeiter des Instituts für Radioökologie und Strahlenschutz Hannover stellen Konzept im Dorfgemeinschaftshaus Remlingen vor

Beruhigungspille oder vertrauensfördernde Maßnahme? Das waren zwei der Meinungen zur Bürgermessstelle in Remlingen. Bürgerinnen und Bürger können hier Lebensmittel, Boden oder auch andere Proben auf ihren Gehalt an Radioaktivität messen lassen. Aufgebaut und betrieben wird diese Messstelle von der Leibniz Universität Hannover im Rahmen des Forschungsprojekts TRANSENS. Am Donnerstag Abend versammelten sich ca. 20 interessierte Bürgerinnen und Bürger im Dorfgemeinschaftshaus der Gemeinde Remlingen, um sich über Zielsetzungen und Möglichkeiten der Messstelle zu informieren. Dr. Pius Krütli von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, TRANSENS Mitarbeiter und Experte für Bürgerbeteiligung, führte in den Abend ein. Zunächst erläuterte Prof. Clemens Walther (Uni Hannover) die Hintergründe des Projekts und dass es bei der Einrichtung der Messstelle darum gehe, Bürgerinnen und Bürgern eine Möglichkeit zu geben, selbst Radioaktivität in Umweltproben zu messen und damit Messwerte unabhängig erheben und Angaben von Betreibern oder Behörden somit überprüfen zu können. Die Messstelle ist auf die Detektion von Gamma Strahlung ausgelegt, mit der ein Großteil radioaktiver Stoffe in der Umwelt nachgewiesen werden kann. In der anschließenden offenen Diskussion ging es unter Anderem um die Frage wie es um die Messung zwei speziell interessierender radioaktiver Stoffe: Kohlenstoff-14 und Tritium steht, die nur mit anderen Messgeräten nachweisbar sind. Walther bietet an, dass in einem begrenzten Umfang diese Messungen vom IRS der Uni Hannover durchgeführt werden können. Aber: „Nicht nur das Messen und Generieren von Daten ist wichtig“, so Walther, „sondern auch das korrekte Interpretieren“. Deshalb wird die Messstelle bis mindestens 2024 wissenschaftlich von der Uni Hannover begleitet. Herr Dr. Schulz (ebenfalls Uni Hannover) ist regelmäßig vor Ort und führt Interessierte in die Messung selbst aber eben auch in die Datenauswertung und Einordung der Ergebnisse ein. In einem anschließenden Kurzreferat hebt Herr Schulz hervor „Speziell Umweltradioaktivität kann erhebliche Schwankungsbreiten aufweisen“. Dafür ein Gefühl zu bekommen ist wichtig. „Und „, so betont er, „wir wollen jetzt viele Proben messen und eine solide Datenbasis schaffen“. Wenn in 10 oder mehr Jahren die Rückholung der Abfälle aus der Schachtanlage Asse erfolgt, dann ist es nötig, umfangreiche Daten als Referenzwerte zu haben. Nur dann können wir erkennen, ob durch die Arbeiten auf der Asse zusätzliche radioaktive Stoffe in die Umwelt gelangen. Samtgemeindebürgermeister Dirk Neumann erklärte in seinem Abschlussstatement, „wir sind sehr froh, diese Messstelle hier zu haben und glauben, dass sie einen Beitrag zur zukünftigen vertrauensfördernden Zusammenarbeit leisten wird. Sie ist ein wichtiger und richtiger Baustein im Bereich der Umweltmessungen, mit der Besonderheit, dass hierbei die Bevölkerung selbst agieren kann und ein direktes Zusammenspiel zwischen Wissenschaft und Bürgerinnen und Bürgern gegeben ist.“

 

© Drögemüller/Leibniz Universität Hannover

Professor Clemens Walther berichtet über die Ziele des Projektes.

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